Wenn dich die Geburt deines Kindes noch immer belastet, hat das nichts damit zu tun, dass du nicht stark genug bist - und dennoch muss du nicht damit Leben, dass du dich so schlecht fühlst...
“Eigentlich müsste ich doch glücklich sein.” Vielleicht hast du diesen Satz schon einmal gedacht.
Vielleicht sitzt du gerade auf dem Sofa, dein Baby schläft endlich – und trotzdem kannst du die Ruhe nicht genießen. Stattdessen tauchen
plötzlich Bilder der Geburt auf. Der Raum. Die Stimmen. Der Geruch. Dieser eine Moment, der sich immer wieder in dein Gedächtnis drängt.
Vielleicht erzählt dir eine Freundin von ihrer Geburt und auf einmal fängst dein Herz an zu rasen. Vielleicht läuft im Fernsehen eine Geburtsszene
und du spürst, wie sich dein Körper anspannt, wie dir heiß wird, wie du vielleicht sogar Schweißausbrüche bekommst.
Oder du fragst dich schon seit Wochen oder Monaten: “Warum kann ich die Geburt meines Kindes einfach nicht hinter mir lassen?”
Und gleichzeitig schämst du dich für genau diesen Gedanken. Schließlich ist dein Baby gesund.
Eigentlich solltest du doch dankbar sein.
Eigentlich solltest du doch glücklich sein.
Wenn du dich darin wieder erkennst, möchte ich dir gleich zu Beginn etwas sagen.
Du bist nicht falsch.
Und noch etwas : Auch wenn du heute glaubst, dass du dich dein Leben lang so fühlen wirst – das muss nicht deine Zukunft sein.
Ein Geburtstrauma kann verarbeitet werden.
Du wirst es vermutlich nie vergessen.
Du kannst es auch nicht ungeschehen machen. Aber es kann so verarbeitet werden, dass du an die Geburt zurückdenken kannst,
ohne dass es dich belastet.
Genau darüber möchte ich in diesem Artikel sprechen.
Was ist überhaupt ein Geburtstrauma?
Diese Frage höre ich immer wieder. Und ehrlich gesagt gefällt mir die Art nicht, wie sie häufig beantwortet wird.
Denn oft wird versucht, Geburten zu bewerten." Das war doch gar keine schlimme Geburt.” “Andere Frauen erleben viel Schlimmeres.”
“Aber ihr seid doch beide gesund.” Ich halte diese Aussagen für problematisch. Denn ob eine Geburt traumatisch war, entscheidet
nicht die Hebamme.
Nicht die Ärztin.
Nicht der Partner.
Nicht die Schwiegermutter.
Nicht einmal das Geburtsprotokoll.
Ob eine Geburt traumatisch war, entscheidet ausschließlich die Frau, die sie erlebt hat. Das ist mir total wichtig.
Denn ich habe schon Frauen begleitet, die medizinisch betrachtet eine hochkritische Geburt erlebt haben und trotzdem sagen:
“Natürlich war das anstrengend. Aber ich habe mich zu jeder Zeit sicher gefühlt.”
UND ich habe Frauen erlebt, deren Geburt von außen völlig unkompliziert aussah. Es gab keine Not-OP, keine lebensbedrohlichen Komplikationen.
Nichts Außergewöhnliches. Sie haben ein gesundes Baby geboren. Und trotzdem sagen sie noch Jahre später:
“Ich hatte solche Angst. Ich dachte, wir sterben.” Wer möchte diesen Frauen sagen, dass ihre Erfahrung “nicht schlimm genug” war?
Dass das, was sie gefühlt haben, unnötig war?
Niemand hat das Recht dazu. Weil der, der fühlt hat Recht!
Warum dieselbe Geburt für zwei Frauen etwas völlig Unterschiedliches bedeuten kann
Vielleicht fragst du dich jetzt: “Aber muss für ein Trauma nicht etwas wirklich Schlimmes passiert sein?”
Die Antwort lautet: nicht unbedingt.
Nach den diagnostischen Kriterien entsteht ein Trauma durch das Erleben oder Wahrnehmen einer extrem bedrohlichen Situation.
Entscheidend ist dabei das Wort wahrnehmen. Denn unser Nervensystem bewertet Situationen manchmal anders als unser Verstand.
Eine Frau kann während der Geburt das Gefühl haben, dass ihr eigenes Leben oder das ihres Kindes in Gefahr ist.
Selbst wenn objektiv keine Lebensgefahr bestand. Oder es von außen betrachtet nach einer "ganz normalen" Geburt aussah.
Für ihr Nervensystem spielte das in diesem Moment keine Rolle. Es reagierte auf das, was es als Gefahr wahrgenommen hat.
Und manchmal geschieht das sogar, ohne dass dieser Gedanke bewusst gedacht wird.
Nicht jede Frau denkt während der Geburt:
“Ich sterbe jetzt.” Manchmal ist dieses Gefühl so überwältigend, dass es gar nicht bewusst in Worte gefasst werden kann.
Der Körper reagiert trotzdem. Das Nervensystem schaltet auf Überleben.
Genau deshalb finde ich es so wichtig, Frauen zuzuhören, anstatt ihre Geburt zu bewerten.
Wenn eine Frau sagt:
“Diese Geburt war für mich traumatisch.”
Dann muss man darüber nicht diskutieren. Dann zeigt man Mitgefühl.
Geburtstrauma bedeutet nicht automatisch eine Traumafolgestörung zu bekommen
Ein weiterer Irrtum begegnet mir immer wieder.
Viele glauben:
“Wenn eine Geburt traumatisch war, entwickelt man zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung.”
Das stimmt nicht. Und diese Information kann unglaublich entlastend sein.
Denn unser Nervensystem besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, belastende Erfahrungen zu verarbeiten.
Man geht davon aus, dass sich die Verarbeitung sehr unterschiedlich entwickeln kann.
Ein Teil der Frauen verarbeitet das Erlebte mit der Zeit ganz von selbst.
Ein weiterer Teil profitiert von guten Gesprächen – mit dem Partner, einer Hebamme, einer Doula, einer Freundin oder einer anderen vertrauten Person.
Und manche Frauen brauchen therapeutische Unterstützung.
Keine dieser Reaktionen macht eine Frau stärker. Oder schwächer.
Sie sagt lediglich etwas darüber aus, wie ihr Nervensystem auf das Erlebte reagiert hat.
Deshalb wünsche ich mir, dass wir endlich aufhören, betroffene Frauen zu bewerten.
Es geht nicht um Stärke. Es geht nicht um Willenskraft.
Und schon gar nicht darum, wer sich “mehr zusammenreißen” kann.
Trauma funktioniert so nicht.
Warum ich diesen Artikel überhaupt schreibe
Es gibt einen Grund, warum mir dieses Thema so sehr am Herzen liegt.
Nicht jede Frau, die nach einer belastenden Geburt leidet, weiß, dass sie möglicherweise unter den Folgen eines Traumas leidet.
Viele glauben stattdessen, sie seien einfach empfindlich.
Oder undankbar.
Oder schlechte Mütter.
Sie machen sich Vorwürfe.
Sie fragen sich, warum andere Frauen ihre Geburt scheinbar hinter sich lassen konnten – sie selbst aber nicht.
Und genau deshalb wollte ich diesen Artikel schreiben.
Nicht, um sich selbst zu diagnostizieren, sondern damit Frauen sich vielleicht zum ersten Mal selbst erkennen.
Damit sie verstehen: Vielleicht bin ich gar nicht besonders empfindlich, oder besonders Schreckhaft oder besonders emotional,
vielleicht reagiert mein Nervensystem einfach auf etwas, das es bis heute als überwältigend gespeichert hat.
Und wenn das so ist, dann gibt es Hoffnung.
Denn ein Trauma muss nicht für immer dein Leben bestimmen.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen
Vielleicht hast du dich beim Lesen an mehreren Stellen wiedererkannt.
Vielleicht hast du zum ersten Mal verstanden, warum dich die Geburt deines Kindes bis heute beschäftigt.
Oder warum bestimmte Erinnerungen immer wieder auftauchen.
Wenn das so ist, möchte ich dir eines mitgeben:
Du musst nicht lernen, einfach damit zu leben.
Ein Geburtstrauma kann verarbeitet werden. Nicht, indem du vergisst, was passiert ist, sondern indem die
Erinnerung ihren Schrecken verliert und dich nicht länger in deinem Alltag bestimmt.
Wenn du das Gefühl hast, dass dich deine Geburt noch immer belastet, vereinbare gerne ein
kostenloses und unverbindliches Erstgespräch mit mir. Gemeinsam schauen wir, ob ich dich auf deinem Weg begleiten kann oder welcher nächste Schritt für dich sinnvoll ist.
➡️ Hier kannst du dein kostenloses Erstgespräch vereinbaren.
Du begleitest Frauen rund um Schwangerschaft und Geburt?
Vielleicht arbeitest du als Doula, Birthkeeperin, Geburtsbegleiterin, Mütterpflegerin oder Prä- und Postpartum-Coach und hast dich beim Lesen gefragt, wie du Frauen mit belastenden Geburtserfahrungen noch sicherer und traumasensibler begleiten kannst.
Genau dafür habe ich meinen Kurs Beside entwickelt.
Dort erfährst du unter anderem, wie Traumafolgen entstehen können, woran du Warnzeichen erkennst, wie du betroffene Frauen sicher begleitest
und wo die Grenzen deiner Begleitung liegen.
Denn auch wenn du keine Therapeutin bist, kannst du für eine Frau einen entscheidenden Unterschied machen.
➡️ Hier findest du alle Informationen zu Beside.
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Vielleicht hast du beim Lesen bemerkt, dass ich immer wieder vom Nervensystem gesprochen habe.
Das hat einen guten Grund.
Unser Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie wir Stress erleben, warum manche Situationen uns überwältigen und weshalb sich belastende Erfahrungen manchmal so tief einprägen. Und gerade in der SChwangerschaft ist es so wichtig zu wissen, dass dein Baby genau spürt, wenn du ständig im Stressmodus bist.
In einem anderen Blogartikel erfährst du deshalb, warum ein reguliertes Nervensystem rund um Schwangerschaft und Geburt so wichtig ist, weshalb es zwar kein Garant für eine traumafreie Geburt ist, aber dennoch eine wertvolle Ressource sein kann – und wie du dein Nervensystem stärken kannst.
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