Vielleicht hast du in deinem Leben schon einmal eine traumatische Erfahrung gemacht.
***Triggerwarnung - es geht um Gewalterfahrungen***
Vielleicht einen schweren Unfall erlebt, Gewalt erfahren, oder einen sexuellen Übergriff. Und vielleicht denkst du jetzt:
„Aber das hat doch mit meiner Geburt gar nichts zu tun.“
Doch genau das könnte es.
Denn unser Nervensystem speichert Erfahrungen – manchmal viel länger, als uns bewusst ist.
Eine Geburt gehört zu den intensivsten Erfahrungen, die wir als Frauen machen können. Sie bringt uns körperlich und emotional an unsere Grenzen.
Schmerzen, Blut, das Gefühl von Kontrollverlust, Berührungen im Intimbereich, das Gefühl, ausgeliefert zu sein – all das kann das Nervensystem an frühere Erlebnisse erinnern.
Das bedeutet nicht, dass jede Frau mit einer traumatischen Vorgeschichte automatisch ein Geburtstrauma entwickelt.
Aber es kann passieren. Ich möchte damit keine Angst machen, ich möchte darauf aufmerksam machen, weil viele Frauen nach der Geburt mit einer posttraumatischen Belastungsstörung herum laufen und denken, sie sind zu sensibel.
Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass wir darüber sprechen.
Denn manchmal erleben Frauen eine Geburt, die von außen betrachtet wunderschön verlaufen ist – und trotzdem fühlen sie sich danach zutiefst erschüttert, weil etwas an die Oberfläche gekommen ist, das schon lange vorher da war. Nur vielleicht vollkommen unbemerkt, verdrängt, verschüttet in den Tiefen des Unterbewusstseins.
Eine Geburt kann aber auch heilsam sein
Genauso wichtig finde ich es aber auch über die andere Seite zu sprechen.
Denn ich habe Frauen kennengelernt, die nach ihrer Geburt gesagt haben:
“Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gespürt, wie stark ich eigentlich bin.”
Frauen, die zuvor Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt hatten und die ihre Geburt als unglaublich heilsam empfunden haben.
Nicht, weil die Geburt besonders leicht war, sondern weil sie sich sicher gefühlt haben.
Weil sie mitentscheiden durften.
Weil sie ernst genommen wurden.
Weil sie gespürt haben, dass ihr Körper nicht gegen sie arbeitet, sondern Unglaubliches leisten kann.
Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut, wenn ich solche Geschichten höre.
Sie zeigen so deutlich, dass Geburt beides sein kann.
Sie kann alte Wunden an die Oberfläche holen,.
und sie kann einen ganz neuen Selbstwert entstehen lassen.
Kann man einem Geburtstrauma vorbeugen?
Diese Frage wird mir häufig gestellt.
Und ich wünschte, ich könnte sie mit einem klaren „Ja“ beantworten.
Aber das wäre nicht ehrlich.
Es gibt keine Methode, die garantieren kann, dass eine Geburt niemals als traumatisch erlebt wird.
Es gibt einfach Dinge, die wir nicht beeinflussen können.
Zu viele Situationen entwickeln sich anders, als wir sie uns wünschen.
Was wir aber tun können, ist, Frauen zu stärken.
Wir können ihnen Wissen mitgeben.
Wir können ihnen helfen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Wir können sie dabei unterstützen, ihr Nervensystem besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, die ihnen in belastenden Situationen Sicherheit geben.
Das ist keine Garantie für eine traumafreie Geburt.
Aber es sind wertvolle Ressourcen.
Und manchmal können genau diese Ressourcen einen entscheidenden Unterschied machen.
Was kannst du tun, wenn du glaubst, ein Geburtstrauma erlebt zu haben?
Vielleicht hast du dich in diesem Artikel an vielen Stellen wiedererkannt.
Vielleicht hast du zum ersten Mal verstanden, warum dich die Geburt deines Kindes bis heute belastet.
Und vielleicht fragst du dich jetzt:
„Was kann ich denn jetzt tun?“
Als Erstes möchte ich dir sagen:
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Viele Frauen glauben, sie müssten einfach nur genug Zeit verstreichen lassen
oder sich endlich zusammenreißen. Doch wenn dein Nervensystem ein Erlebnis als traumatisch abgespeichert hat, reicht Zeit allein manchmal nicht aus.
Und das ist kein Zeichen von Schwäche.
Es bedeutet lediglich, dass dein Nervensystem Unterstützung braucht, um das Erlebte zu verarbeiten.
Was bedeutet es, ein Trauma verarbeitet zu haben?
Viele Menschen denken, der Sinn einer Traumatherapie ist, die Erinnerung zu vergessen.
Das stimmt nicht.
Für mich bedeutet ein verarbeitetes Trauma etwas ganz anderes.
Es bedeutet, an das Erlebte zurückdenken zu können, ohne dass es dich stark belastet.
Ohne Herzrasen., ohne das Gefühl, die Situation noch einmal zu durchleben.
Klar, die Erinnerung bleibt.
Aber sie verliert einfach ihren Schrecken.
Ich vergleiche das gerne mit einem schweren Rucksack. So hatte es mir meine Therapeutin damals auch erklärt und ich finde die Metapher sehr schön.
Ein unverarbeitetes Trauma fühlt sich an, als würdest du jeden Tag einen
Rucksack, voll mit schwerer Steinen mit dir herumtragen.
Nach einer erfolgreichen Traumatherapie ist der Rucksack vielleicht immer noch da, schließlich gehört die Erinnerung zu deiner Geschichte.
Aber die Steine sind nicht mehr zu spüren.
Der Rucksack ist leicht geworden. Er ist noch da aber er wiegt nichts mehr.
Und genau das macht den Unterschied.
Welche Möglichkeiten gibt es, ein Geburtstrauma zu verarbeiten?
Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten, ein Geburtstrauma zu verarbeiten. Welche Methode die richtige ist, hängt immer von deiner persönlichen Situation ab.
Eine wissenschaftlich gut untersuchte Methode ist zum Beispiel EMDR
(Eye Movement Desensitization and Reprocessing).
Sie kann das Gehirn dabei unterstützen, belastende Erinnerungen so zu verarbeiten, dass sie ihren Schrecken verlieren und nicht mehr wie ein ständig wiederkehrender Alarm erlebt werden.
Ich arbeite in meiner Praxis unter anderem mit EMDR und habe diese Methode auch selbst als Klientin kennengelernt – nicht aufgrund eines Geburtstraumas,
sondern wegen eines anderen belastenden Erlebnisses. Gerade deshalb weiß ich, wie unglaublich entlastend es sein kann, wenn eine Erinnerung idiese heftige Intensität verliert.
Wenn du das Gefühl hast, dass dich deine Geburt bis heute belastet, musst du diesen Weg nicht alleine gehen.
Ich lade dich herzlich zu einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch ein.
Gemeinsam schauen wir, ob ich dich auf deinem Weg begleiten kann und welche Unterstützung für deine Situation sinnvoll ist.
Bitte beachte, dass ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie ausschließlich Selbstzahlerinnen begleite. Eine Abrechnung über die gesetzlichen Krankenkassen ist in der Regel nicht möglich.
Solltest du dir eine Kostenübernahme durch deine Krankenkasse wünschen, kannst du dich auch an eine psychotherapeutische Praxis wenden, die EMDR oder andere traumatherapeutische Verfahren anbietet.

Du begleitest Frauen rund um Schwangerschaft und Geburt?
Vielleicht arbeitest du als Doula, Birthkeeperin, Geburtsbegleiterin, Mütterpflegerin oder Prä- und Postpartum-Coach und möchtest Frauen nach belastenden Geburtserfahrungen noch sicherer und traumasensibler begleiten.
Dann könnte mein Kurs Beside genau das Richtige für dich sein.
Dort lernst du, Traumafolgen besser zu verstehen, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und Frauen innerhalb deiner Rolle sicher und verantwortungsvoll zu begleiten – ohne therapeutisch arbeiten zu müssen.
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Vielleicht fragst du dich jetzt, warum manche Frauen belastende Situationen besser verarbeiten können als andere oder welche Rolle das Nervensystem dabei spielt.
Genau darum geht es in meinem nächsten Blogartikel.
Dort erfährst du, warum ein reguliertes Nervensystem zwar keine Garantie für eine traumafreie Geburt ist, aber eine wertvolle Ressource sein kann – sowohl während der Geburt als auch in der Zeit danach.
➡️ Zum nächsten Artikel: Was dein Baby in der SChwangerschaft wirklich braucht. Hier geht es unter anderem darum, warum dein Nervensystem rund um Schwangerschaft und Geburt eine so wichtige Rolle spielt. Und warum das für dein Baby so wichtig ist.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Diagnostik oder Behandlung. Wenn du unter starken Beschwerden leidest oder den Verdacht hast, an einer Traumafolgestörung zu leiden, wende dich bitte an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine entsprechend qualifizierte Fachperson. (Gern auch erstmal an mich, um zu prüfen, ob ich dir helfen kann).
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